Helden.de » Artikel » Klugscheissen » Aus dem Herzen Asiens - Die Mongolen 5
Interessanterweise stammen die Hunnen unter Attila und die Magyaren, die heutigen Ungarn, ebenfalls von den Mongolen ab. Jedes dieser Völker zog gen Westen und wurde dort letzten Endes geschlagen – nur die Mongolen unter Ügedei nicht.
Die Hunnen
Sie waren ein mongolisches Reitervolk, mit dem sich die Chinesen 207 v.Chr. bis 39 n.Chr. herumschlagen mußten. Die Chinesen konnten sie schließlich besiegen und nach Westen abdrängen. Der Hunnen-Zug nach Westen löste hier die Völkerwanderungen aus, die das weströmische Reich destabilisierte und letztlich zerstörte.
Die Hunnen waren im Westen bereits vor Attila bekannt, hatten sie doch ab und zu auf Seiten germanischer und römischer Heere gekämpft. Nun aber marschierten sie vereint unter Attila gegen die westlichen Völker.
Hunnenreiter auf dem Vormarsch
Ihre wichtigste Waffe war die Psychologie. Ihr fremdartiges Aussehen, ihre Wildheit und ihre Brutalität schufen eine Atmosphäre der Angst. Auch sie waren hervorragende Reiter – sie konnten problemlos 150 Kilometer pro Tag reiten und ihren Feind mit zahllosen Pfeilen bombardieren. Sie besaßen kaum Nahkampfwaffen, ab und zu mal eroberte Eisenschwerter. Als Defensivwaffe benutzten sie manchmal Schilde, ansonsten waren sie aber nicht gerüstet.
433 übernahm Attila die Hunnen und marschierte gen Westen. Schnell unterwarf er die Slawen zwischen Don und Donau, die germanischen Stämme an der Donau und dahinter. Viele Völker zahlten ihm Tribut. Er war der Sieger und niemand konnte sich ihm in den Weg stellen.
Doch dann wandte er sich er zwischen 440 und 447 Richtung Balkan. Dort traf er auf härteren Widerstand, den er nicht vollständig brechen konnte. Deswegen schwenkte er um nach Westen. Zu Ostern 451 überschritt er den Niederrhein und marschierte Richtung Orléans. In der Champagne vereinigten sich westgotische, fränkische und römische Verbände unter dem Oberbefehl des römischen Generals Aetius und besiegten die Hunnen sowie ihre Vasallen, die Langobarden, die Heruler und die Ostgoten. Über den Hergang der Schlacht weiß man nichts genaues, nur, daß sie „wild, bewegt, schrecklich und hartnäckig“ gewesen sein soll.
Aetius setzte den Hunnen aus Furcht nicht nach, und so konnte Attila im Folgejahr in Norditalien einfallen. Römische Verstärkungen aus dem Osten vertrieben ihn letztendlich auch hier. Attila starb 453 bei seiner Hochzeitnacht mit einer neuen Frau – was zu einigen bösartig-sarkastischen Kommentaren von europäischer Seite aus führte.
Mit Attilas Tod hörten die Hunnen auf, eine Bedrohung zu sein. 454 wurde das hunnische Heer in Europa vom germanischen Stamm der Gepiden vollständig vernichtet.
Die Magyaren
Mit den Magyaren, den Ungarn, war es auch so eine Sache. Zur Zeit Karls des Großen machten sie sich im heutigen Ungarn breit und fielen immer wieder in das Frankenreich ein. Sie waren tatkräftig daran beteiligt, das karl’sche Reich zu destabilisieren. Im ganzen 9. Jahrhundert waren die Ungarn eine permanente Bedrohung, die nicht endgültig gebannt werden konnte.
900 fielen sie in Bayern ein. Markgraf Luitpolt von Bayern konnte sie 900/901 noch zurückschlagen, doch 906 brachen die Ungarn durch alle Linien und plünderten Bayern und Sachsen. Am 5./6. Juli 907 kam es bei Preßburg zur entscheidenden Schlacht, bei der die Bayern vollständig vernichtet wurden. Die Ostmark ging dem fränkischen Reich endgültig verloren. Der Markgraf fiel in dieser Schlacht.
910 wurde ein Reichsheer unter König Ludwig von den Ungarn geschlagen. 913 konnte Herzog Arnulf von Bayern zwar ein ungarisches Heer besiegen, doch schon 924 fielen die Ungarn erneut ins östliche Frankenland ein und verwüsteten es. Der darauffolgende Konflikt wurde 926 mit einem 9jährigen Waffenstillstand beendet. König Heinrich I. ließ daraufhin die Reichsburgen ausbauen und die militärische Kapazität des Reiches erhöhen – so wurden die Reiter verstärkt und besser ausgebildet. Eine neue Panzerung wurde entwickelt, die höheren Schutz gegen die ungarischen Pfeile bot. In ganz Sachsen wurden befestigte Anlagen errichtet. Aus den Bauern der Region wurden Berufskrieger rekrutiert. Anderorts wurden Kriminelle begnadigt und ebenfalls in die neuen Armeen eingegliedert.
933 brach Heinrich I. den Waffenstillstand und besiegte die Ungarn bei Unstrut entscheidend.
Doch auch jetzt ließen sich die Ungarn nicht beirren. 20 Jahre warteten sie, dann fielen sie im Dezember 954 wieder in Bayern ein. Sie belagerten u.a. Augsburg.
Am 10. August 955 trat auf dem Lechfeld ein vereintes Reichsheer gegen die Ungarn an. Otto I. führte es persönlich an. Das Heer zählte 10.000 Panzerreiter, die in 8 Gruppen gegliedert waren. Damit war das deutsche Heer dem ungarischen zahlenmäßig leicht überlegen.
Die Schlacht auf dem Lechfeld 955
Trotzdem gelangen den Ungarn erste Erfolge. Ein Teil ihrer Truppen umging das deutsche Heer und überfiel die böhmische Nachhut. Der Angriff forderte zahlreiche Tote und die Ungarn eroberten den gesamten deutschen Troß. Die Ungarn attackierten daraufhin den schwäbischen Teil des Heeres, die sechste und siebte Gruppe, und schlugen sie in die Flucht.
Otto schickte daraufhin seine vierte Gruppe, eine fränkische, unter Führung von Konrad dem Roten gegen die Ungarn. Diese warf die Ungarn zurück. Der Erfolg spornte den Rest des deutschen Heeres an und die Schlacht wendete sich zugunsten der Deutschen.
Entgegen üblicher Gewohnheiten ließ Otto die fliehenden Ungarn verfolgen und völlig vernichten. Damit war die Gefahr durch die Ungarn endgültig gebannt.
Schlußbetrachtung
Taktisches Geschick, Tapferkeit und viel Glück retteten Europa mehrfach vor der Erstürmung. Es war viel Glück dabei, als Ügedei zum passendsten Zeitpunkt starb und Europa rettete. Mit Heinrich I. und Otto I. hatten die Deutschen im 10. Jahrhundert für kurze Zeit zwei fähige Männer auf den richtigen Positionen.
Und beim Hunnensturm wurde das Beste, was vom kollabierenden weströmischen Reich übrig war, und das Beste, was von den jungen Germanenkönigreichen schon da war, vereint. 25 Jahre später wäre dies – aufgrund der fehlenden Römer – nicht mehr möglich gewesen und 25 Jahre früher wären die Germanen wohl noch nicht so stark gewesen, wie es nötig war.
Geringeres Schlachtenglück hätte die europäische Geschichte, ja die ganze Weltgeschichte entscheidend verändert. Wären die Mongolen 1243/44 durch Westeuropa gestürmt und hätten sie Deutschland, Holland, Frankreich, England, Spanien und Italien so geschliffen wie das choresmische Reich, könnte Westeuropa heute wie Zentralasien aussehen – ziemlich leer.
Was wir gewissen Einzelpersonen der Vergangenheit verdanken, sollten wir nie vergessen.
QUELLEN:
„Was wäre wenn?“, Robert Cowley
„Kriegsgeschichte“, Feldmarschall Montgomery
„Das osmanische Reich 1300-1922“, Ferenc Majoros und Bernd Rill
„Byzanz – Verfall und Untergang (1071-1453)“, John Julius Norwich
„Chronik der Deutschen“
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geschrieben am: Wed, 8 Apr 2009
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