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Dämonen - Kapitel 1


Anyone who sees me must die.
(Duo Maxwell - The Death Angel)

 

Futzko stand vor der Fensterfront seines Büros im 43. Stockwerk des Hauptsitzes einer seiner zahlreichen Firmen. Er trug seinen weißen Anzug mit seiner roten Lieblingskrawatte, obwohl seine Sekretärin schon oft gesagt hatte, dass sie diese Kombination abscheulich fand.
Jedesmal wenn er von hier aus die riesige Innenstadt von Tokyo betrachtete, fühlte er sich so winzig, trotz seiner, für einen Japaner sehr beachtlichen Größe von 1,80 m. Während er gedankenversunken auf die taghellen Straßen unter dem nachtschwarzem Himmel hinunter schaute, schreckte ihn sein auf dem großen Mahagonischreibtisch stehendes Telefon auf.
Er drehte sich um und ging zu seinem schwarzem Ledersessel. Plötzlich, genau in dem Moment wo er den Hörer in die Hand nehmen wollte, verstummte das Telefon.
Das sollte eigentlich nichts beunruhigendes sein, aber irgendwie wurde Futzko dadurch doch nervös. Auf einmal verspürte er den Drang, es aus der Schreibtischschublade zu nehmen.
Langsam zog er das Fach heraus und es kam zum Vorschein. Es war ein Amulett. Das Amulett hatte in der Mitte ein kleines Loch und war vollkommen golden. Ebenfalls waren einige stark schimmernde Juwelen eingefasst. Das Loch hatte scharfe Kanten und Futzko war sich sicher, dass dort irgendetwas eingeschoben werden konnte. Etwas, das perfekt passen müsste.
Gerade wollte er es in seine Hand nehmen, als ihn etwas am Hals packte.
Eine riesige grüne, seinen Mund und Hals umschließende Hand, die seine Hilfeschreie gnadenlos erstickte, war das letzte, was er sah. Das er durch die Fensterfront brach bekam er schon nicht mehr mit.

Kapitel I

So kamen sie von nah und fern
Und stürzten ins Gefecht,
denn für diese tolle Frau
waren so manche Schmerzen recht
(Schandmaul – Der letzte Tanz)



Es war samstagabend, gegen 19.00 Uhr. Markus schloss die Tür zu seiner Wohnung im dritten Stockwerk eines Stuttgarter Mietshauses auf.
Von innen hörte er eine männliche Stimme, welche gerade sagte: "... stürzte Shumiro Futzko, Besitzer mehrerer Großunternehmen, aus dem 43. Stockwerk eines Tokyoter Bürogebäudes. Ärzte sind der Meinung, dass er bereits vor dem Sturz tot war. Angestellte konnten sich nicht erklären, was den erfolgreichen Elektronikbaufachmann aus Osaka dazu getrieben..." Die Stimme kam aus seinem Wohnzimmer.
"Mist, schon wieder den Fernseher angelassen!" stellte Markus fest. Eigentlich wär das ja kein großes Problem für ihn, wenn das nicht mindestens einmal pro Woche passieren würde. Langsam wurde es zu einer Stromrechnungsbelastung für Markus.
Sein Rucksack wurde wie immer gleich neben der Wohnungstür abgestellt. Leichtfüßig schritt er durch das Chaos seines Wohnzimmers, bestehend aus schmutziger Wäsche, alten Pizzaschachteln, einige noch mit Resten gefüllt, und leeren Flaschen und Dosen, in dem sich jeder ungeübte wahrscheinlich die Beine gebrochen hätte, in Richtung Küche.
Dort angekommen trank er erstmal einen Schluck Milch, wie gewöhnlich direkt aus der Tüte. Ein Glas müsste man ja auch nur wieder abwaschen müssen, das wäre unnötige Arbeit gewesen (Seine Spülmaschine war kaputt und sein Konto fast leer).
Während er sich gerade seinem neuen Ziel, der Couch, wo er irgendwo die Fernbedienung für den Fernseher vermutete, näherte, ertönte die Klingel an seiner Wohnungstür. Also drehte er mitten in der Bewegung ab und ging hinüber zur Gegensprechanlage. Markus nahm den Hörer in die Hand.
"Ja? Wer ist da?", fragte er.
Eine weibliche Stimme antwortete ihm: "Bin ich hier richtig bei Vester? Sind sie Markus Vester?"
"Ja, der bin ich. Und wer sind sie?", fragte er zurück.
Die Antwort, die er bekam, war eindeutig, stellte Markus jedoch nicht zufrieden: "Bitte lassen sie mich rein, ich muss mit ihnen reden!"
Langsam fühlte er sich genervt: "Sagen sie mir erst wer sie sind und warum sie mit mir reden wollen!"
"Mein Name ist Foury. Ich bin, oder besser, war Mr. Futzkos Sekretärin und ich bin hier um seinen letzten Auftrag auszuführen." bekam Markus als Antwort.
Die Bestimmtheit in Markus' Worten war jetzt leichter Verwirrung gewichen: "Futzko? Wer soll..."
"Ihr Chef!", unterbrach ihn die Stimme leicht gereizt, doch Markus reichte diese Information anscheinend noch nicht: "Mein Chef? Der, der mich eingestellt hat, hieß aber anders..."
Die erneute Antwort lies auf sich warten. Als Fourys Stimme wieder erklang, war deutliche Resignation in ihr zu hören: "Mein Gott, Mr. Futzko hat die Firma, bei der sie arbeiten, vor drei Wochen gekauft. Wie sie sicherlich schon aus den Nachrichten erfahren haben, ist er gestern gestorben. Ich bin hier, um seinen letzten Willen zu erfüllen."
Jetzt erinnerte er sich langsam. Hatte der Nachrichtensprecher gerade eben etwas von einem Futzko geredet? 'Vielleicht sollte ich demnächst öfters Nachrichten sehen...' dachte sich Markus.
"Aha... Na gut, dann kommen sie 'rein." sagte er und drückte den kleinen schwarzen Knopf mit dem weißen Schlüsselsymbol drauf. Unten im Haus hörte er ein leises Surren und das Öffnen der Haustür. Leise Schritte kamen die Holztreppe hinauf. Markus öffnete seine Wohnungstür ein Stück und lugte durch den Spalt. Als er Foury sah, öffnete Markus die Tür vollständig.
Vor ihm stand eine sehr attraktive Frau, Markus schätzte ihr Alter auf Mitte 30. Sie ging ihm gerade bis zum Kinn. Aber auch wenn er nicht größer gewesen wäre als sie, hätte es ihn nicht davon abhalten können ihren recht großzügigen Ausschnitt zu bewundern, der seine Blicke anzog wie ein Licht die Mücken. Das schien Foury jedoch gewöhnt zu sein. Während er ihren Minirock unter Betrachtung nahm, legte sie ihren Kopf schief und sah ihn fragend an. "Darf ich jetzt hereinkommen?", wollte sie wissen.
Markus sah aus, als hätte ihn jemand aus einer Trance aufgeweckt. Zum ersten Mal sah er ihr in die Augen und das darum herum liegende Gesicht. Fourys Augen waren tief braun und hatten eine hypnotische Wirkung. Markus hatte das Gefühl, in ihnen versinken zu können. Foury Haar war mittellang und schwarz. Da sie ihren Kopf schräg gelegt hatte, konnte Markus einen silbernen Ohrring, in dem an der unteren Seite eine kleine Perle eingearbeitet war, an ihrem linken Ohr erkennen, während ihr rechtes Ohr durch die Haare verdeckt wurde. Langsam stammelte er eine Antwort zusammen: "Was? Herein... ach so, na-natürlich, bitte..."
Markus trat einen Schritt zur Seite. Sie ging, ja, schwebte geradezu an ihm vorbei. Markus wusste nicht, was ihn an ihr mehr faszinierte, ihr nahezu perfektes Aussehen oder dass sie es schaffte, sich ohne Probleme durch sein Wohnzimmer zu bewegen. Wie selbstverständlich setzte sie sich auf eine freie Stelle auf der Couch. Wieder sah sie Markus an, der immer noch leicht geistesabwesend an der Tür stand.
"Dürfte ich ein Glas Wasser haben?" fragte sie mit einem Lächeln.
Markus nickte mit leicht zitterndem Kopf und machte sich schon wieder auf den Weg in die Küche. Er stolperte mehr, als dass er lief, doch sein Ziel erreichte er unbeschadet. Mit einem seinem rechten Fuß stieß er die Tür hinter sich zu.
Schnell holte er ein Glas aus dem Schrank, füllte es mit Wasser und trank es aus.
'So etwas habe ich noch nie erlebt' dachte sich Markus. Natürlich hatte er schon öfters umwerfend gut aussehende Frauen gesehen (zum Beispiel, wenn er lange genug die Fernsehsender durchsuchte) aber noch nie von so nah und lebend vor ihm. Doch er hatte sich eigentlich für selbstbewußter gehalten hatte, um nicht gleich die Fassung zu verlieren. Aber, wenn er noch mal genau überlegte... War es wirklich ihr Aussehen, das ihn so von der Rolle gebracht hatte?
Nein. Nein, es musste irgendetwas anderes gewesen sein.
Jetzt, wo er noch einmal darüber nachdachte, meinte er irgendetwas hätte seinen Geist, sein Bewußtsein beeinflußt. Genauer konnte er es nicht beschreiben. In ihm war einfach ein Gefühl aufgekommen, ihr nicht zu widersprechen.
Aber woher? War er doch durch pures Aussehen leichter zu beeinflussen als er es sich bisher eingestehen wollte? Für ihn gab es nur eine Möglichkeit, das heraus zu finden.
Markus atmete noch einmal tief durch. Mit einem weiteren Glas, gefüllt mit Wasser, ging Markus zurück ins Wohnzimmer.
Nichts. Von dem Gefühl war nichts zu spüren.
"Hier ist ihr Wasser!" sagte Markus. Foury, die inzwischen dem Fernseher zugewandt hatte und den Wetterbericht verfolgte, drehte sich um und sah Markus direkt in die Augen. Und schon war wieder dieses Gefühl zurück. Es wuchs langsam in ihm heran. es schien sich ein zweites Bewußtsein zu entwickeln, parallel zu seinem eigenen, bereits existierendem. Es wollte ihm einreden, Foury hat recht mit dem was sie sagt. Und was sie tut. Und überhaupt war alles, was von ihr ausging richtig und gut. Doch sein eigenes Bewußtsein widersprach. Sie rissen seine Gedanken hin und her. Bald wusste er nicht mehr welches von beiden sein eigenes war. Welches hatte Recht? Welches nicht?
Eigentlich wär es doch richtig, Foury von jetzt an blind zu folgen, kam in seinem Gehirn auf. Dann ein weiterer Gedanke: Warum denn? Er hatte doch gar keinen Grund ihr zu folgen. Aber was redete er da, natürlich hatte er einen: einer so bedeutenden Persönlichkeit zu folgen, ist immer richtig.
Bedeutend? Wieso war sie bedeutend? Naja, weil...
So fingen jetzt die Gedanken, Befehle und Widersprüche an, sich in seinem Gehirn zu überschlagen. Sein Bewußtsein und sein Gehirn kämpften um die Herrschaft über seinen Körper.
Und dann begann er wieder etwas zu spüren. Diesmal jedoch nichts ungewöhnliches oder widersprüchliches. Dieses Gefühl war eindeutig. Er war es ganz schwach, doch schnell wuchs an. Er bekam höllische Kopfschmerzen.
Schnell drückte er Foury das Glas in die Hand, da alles um ihn herum sich zu drehen begann. Er setzte sich neben Foury, hielt sich beide Hände an den Kopf und legte diesen nach hinten. Seine Atmung wurde immer schneller. Langsam wurde ihm schwarz vor den Augen. Er konnte noch einen letzten Blick auf die Frau neben ihm werfen.
Sie schien zufrieden zu sein. Ja, sie lächelte sogar... Wie konnte man bei seinem Anblick noch so gelassen bleiben und sogar noch lächeln?
Mit diesem Gedanken fiel er endgültig in Ohnmacht.

Wieviel Zeit wohl vergangen war? Fünf Minuten? Zwei Stunden? Ein Tag?
Markus wusste es nicht. Langsam öffnete er die Augen. Noch immer spürte er ein leichtes Pochen im Hinterkopf. Langsam öffnete er die Augen. Vor diesen erschien Fourys Gesicht. Schon wieder lächelte sie ihn an.
"Herzlichen Glückwunsch", sagte sie zu ihm in einem sanften, zufrieden Tonfall, "den ersten Test hast du bestanden!"
Markus verstand nicht. "Was? Wieso ‚erster‘ Test?"
Er wollte aufstehen, doch sie hielt ihn zurück.
"Du solltest dich schonen. Morgen bleibst du am besten noch im Bett. Montag fangen wir dann mit deinem Einführungstraining an!" Sie hatte so bestimmt geklungen, dass es Markus die Sprache verschlagen hatte. Er öffnete zwar den Mund, doch es kamen keine Laute heraus. Sie drehte sich um und verliess den Raum. Einen Arm nach ihr ausstreckend richtete er sich auf. Jetzt bekam er erst mit, dass er sich in seinem Bett befand. Er war in seinem Zimmer. Doch wie war er hier her gekommen? Foury hätte ihn niemals da hin bringen können, das stand für ihn fest. Sie sah nicht gerade sehr kräftig aus...
Doch vorerst hatte er wichtigere Fragen zu klären.
Also stand er auf. Das heißt, er versuchte es. Aber seine Beine waren so wacklig, dass er wieder zurück ins Bett fiel, bevor er überhaupt zum stehen kam.
Er hatte wohl keine andere Wahl, als dort liegen zu bleiben und zu probieren, etwas zu schlafen. Doch er konnte nicht. Zu viele Fragen schwirrten in seinem Kopf umher.
Was für ein Training hatte sie gemeint? Wofür sollte er denn trainieren?
Gerade wollte er nach Foury rufen, als sie mit einem Teller und einer Tasse herein. Sie stellte beides auf den Nachttisch neben Markus' Bett. Zu ihm gewandt sagte sie dann: "Ich habe ein bißchen deine Küche erkundet und dir einen Tee und ein paar Brote zubereitet."
Sie wollte schon wieder den Raum verlassen, doch diesmal hielt Markus sie fest. Er sagte: "Bitte, ich habe noch einige Fragen an sie!"
"Erstmal, sag 'du' zu mir. Deine Fragen sollten wir später klären, jetzt iss lieber etwas und schlafe ein wenig. Du wirst alle deine Kräfte für deine Ausbildung brauchen!"
Jetzt reichte es Markus. Er schrie sie an: "Verdammt noch mal, was für eine Ausbildung denn!?"
Sie blieb gelassen. "Deine Ausbildung zu einem Magier!", antwortete sie freundlich lächelnd.
Verdutzt lies er ihre Hand los. Sie verliess das Zimmer und schloss die Tür hinter sich, während Markus ihr mit offenem Mund hinterher starrte.

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Wörter: 2464
geschrieben am: Mon, 23 Feb 2009
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