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Dämonen - Kapitel 29

Das große unzerstörbare Wunder
ist der Menschenglaube an Wunder.
(Jean Paul)

 

Tatsächlich stand Markus vor Kain, dieser trug nur eine knapp über den Knöcheln endende Jeans, seine schwarzen Haare waren glattgekämmt, seine grauen Augen blickte ausdruckslos in die von Markus und er fing an zu reden: „Und du bist auch gekommen!? Endlich, der Erwählte ist da. Hörst du Karanga? Der von Gaia erwählte ist erschienen?“ Ein unheimliches Gebrüll, nicht mit den normalen Sinnen hörbar, ertönte aus der Spirale und durchdrang die verschiedensten Ebenen. Bis zu den Asen drang es vor, wo ein alter, von der Last unzähliger Millenien gebeugte Mann tief seufzte und sich aus seinem goldenem Thron erhob: „Höret mich an! Karanga wird erweckt. So sprecht, meine Kämpfer: Sollen wir abwarten oder angreifen?“ Verschiedenste tiefe, laute Stimmen antworteten ihm.
Auch zu vielen anderen Orten drang das Gebrüll, wie dem Olymp, dem Paradies, der Hölle, Ammas, ja, selbst nach Othis drang es vor. Überall löste es die gleiche Reaktion aus.
Auch auf der Erde konnten es einige Menschen hören. Allan sah aus einem Fenster über eine unübersehbare Masse an Monstren, Orks, Dämonen und dergleichen hinweg. Auch er seufzte und sprach zu sich selbst: „Verrat erzeugt Gegenverrat, wir hätten es wissen müssen. Aber so war es wohl bestimmt, viel Glück wünsche ich dir, Markus!“ Mit einem Mal marschierten die Horden voran – gegen Masshin.

Auch James war irgendwo. Oder nirgendwo? Er wusste es nicht. Genaugenommen wusste er gar nichts. Er dachte auch nicht. Er atmete nicht, roch auch nichts, hörte nichts, sah nichts, sah nichts, fühlte nichts, war nicht. Er existierte nicht mehr wirklich. Nur sein Körper, ein roher Haufen Fleisch und Knochen, war.

Hannes fiel weiter. Gedanken schossen durch seinen Kopf, Ideen brachten seine Gehirnzellen zum Absterben.
Langsam, das wusste er sicher, kam er der Lösung näher. Der Lösung seines Falls, warum er fiel und wohin.
Ebenso langsam wandelte sich das Blau, das ich bisher umgeben hatte, ihn einen mattgrünen Schein.

In einer Explosion magischer Energie verging der zweite der beiden Orkschamanen. Sylwia wusste, wo sie war. Nur ein oder zwei Kilometer vor ihr lag Masshin und dorthin war auch die Armee unterwegs. Kurz hatte sie Zeit einen Blick nach vorne zu werfen, bevor sich wieder ein Trupp Krieger auf sie warf. Der ganze Weg von hier bis nach Masshin war übersät von Angreifern. Sie erkannte Delefanten (verkümmerte Nachfahren von vor vielen, vielen Jahren gefangengenommenen Elefanten, welche nun als Reit- und Angriffstiere dienten), Orks, Riesen, Trolle, einfach alles. Ebenso waren elementare und Schattenwesen in den Reihen der Angreifer. Ein Armee aus der Fantasyliteratur der Menschen stand vor ihr (kurzgefasst).

Auch Torû ahnte nun wo er sich befand. Er war sich nicht sicher, nein, aber er vermutete sich auf dem Weg zur Endlichkeit zu befinden. War er tot? Hatte ihn wieder irgendein mysteriöses Rätsel des Wesens der Magie hierher gesandt wie einst?
Er wunderte sich nun, das, das vorher warme, gelbe Licht immer grünlicher wurde.

Markus schlug zu und traf Kain mitten im Gesicht. Doch dieser wankte nicht einmal. Markus war für einen ehemaligen und (damals) auch recht erfolgreichen Gewichtheber wirklich nicht schwach, doch der Rückschlag Kain’s, welchen er mit hoch gerissenem Arm abwehren wollte, schleuderte ihn kurz durch die Luft, bevor er hart am Boden aufschlug. Stöhnend richtete er sich wieder auf, da trat Kain gegen Markus‘ Kinn und er wurde wieder zu Boden geschickt.
Noch einmal rappelte er sich auf, stützte sich auf Händen und Knien ab, als ihm sein Feind in sein Kreuz trat und er wieder zusammensackte. Das gleiche geschah wieder und wieder, bis Markus schließlich liegenblieb. Sein gebrochener Blick richtete sich auf die Spirale, in der sich langsam ein dunkler Schatten materialisierte.
„Von Gaia Erwählter? Ha! Warum hilft sie mir dann nicht? Gaia...der Schutzgeist der Erde? Wer ist ihr Herr, der des Schutzgeistes?“
Markus Gedanken wirbelten in seinem Kopf, ihm war es kaum möglich sich auch nur an das vorher Gedachte zu erinnern, als ein leises Miauen ertönte.
Markus hob seinen Kopf und erblickte, während schwarze Ränder sein Sichtfeld entlang wanderten, eine weiße Katze mit goldenen Augen direkt vor ihm stehen, Merlin. Es schien ihm, als würde sie lächeln und eine Stimme ertönte in seinem Kopf.
„ Du zweifelst, Erwählter?“, berauschend und lieblich war sie und weiblich, zumindest weiblich wie die Menschen dies zuordnen würden, könnten sie die Stimme noch vernehmen. „Ja, das tue ich. Ich weiß ja nicht einmal was für Kämpfe ich ausgefochten habe und wozu. Ich weiß gar nichts.“
„Oh Markus, du weißt doch so viel. Stehe auf und beschütze. Du bist erwählt, füge dich deinem Schicksal.“
In Gedanken lachte Markus trocken auf: „Warum sollte ich? Ich glaube nicht an das Schicksal, jeder Mensch wählt seinen eigenen Weg!“
Mit einem hellem, freundlichem Lachen verging die Stimme und Markus stand wieder auf. Seine Kleider waren schmutzig und zerrissen, an seinem Körper aber waren alle Wunden verheilt. Merlin miaute und Markus nickte, im Kopf noch einem Gedanken folgend. Kain hatte sich wieder der Spirale zugewandt und sang in einer fremdartigen Sprache. Markus trat vor und tippte ihm auf die Schultern.
Kain drehte sich um, sein Blick von Hass entstellt. „Memento mori!“, gehässig grinsend schlug ihm Markus die geballte Faust ins Gesicht. Kain’s Kopf fuhr herum, doch sein Körper blieb wieder stehen.
Markus zögerte nicht mehr, er hatte schließlich keinen Grund dazu. Hier war ein Gegner an dem er all seinen aufgestauten Hass und den in sich angesammelten Schmerz ablassen konnt. Er schlug wieder und wieder zu, doch Kain wankte nicht. Er krümmte sich vielleicht oder drehte sich leicht, aber seine Füße blieben an der Stelle, an der er stand.
„Zur Seite Markus! ‚Firesnake‘“, plötzlich spürte der eben Angesprochene eine wahnsinnige Hitze auf seinen Rücken zu rasen. Er warf sich verzweifelt zur Seite und sah wie eine Schlange aus Feuer durch die Luft zischte und Kain an der linken Schulter traf. Markus blieb der Mund offen stehen, beeindruckt von der unglaublichen Detailliertheit der Schlange, selbst innerhalb dieses einen, winzigen Augenblicks hatte er jede einzelne Schuppe erkennen können – und das Strahlen im Inneren der Schlange. Er lächelte.

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geschrieben am: Mon, 23 Feb 2009
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