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Blackjack 1 - Kühe aus dem Weltall

Ich bin immer der SL. Hauptsächlich, weil es niemand anderes tun möchte. Die ganze Zeit über besitze ich die Kontrolle über mein eigenes Shadowrun-Universum mit ein paar Milliarden Charakteren auf die ich achten muß, während sich die SCe völlig unbeschwert über das Stadtbild lustig machen und sich um nichts sorgen müssen, außer ob der Chrom auf ihren Waffen genug glänzt und ob damit große Löcher in die NSCe machen können, die ich in mühseliger Arbeit zusammengestellt habe. Ihr einziges anderes Ziel scheint darin zu bestehen, eine festgelegte Summe Geld zu erhalten, bei deren Erhalt ihnen nichts bsseres einfällt als: "Das ist alles??" Nicht das ich vielleicht etwas verbittert wäre. Aber ich bin mir der Tatsache bewußt, daß es ohne mich kein Spiel geben würde. Deswegen nutze ich Kontrollmechanismen, die wohl normalerweise für einen Spielleiter als 'falsch' angesehen werden. Wenige sind schädlich, einige irgendwie lustig aber alle sind auf die eine oder andere Art und Weise umstritten. Hier ein paar Beispiele.

Blackjack's Gesetz vom "Geld Haben Ohne Es Für Irgendetwas Auszugeben"
Ein Phänomen, dem ich immer wieder begegne seit dem ich Spielrunden leite, ist die Tendenz der SCe (zumindest der in meinen Kampagnen) große Summen Geld anzusammeln aus dem Antrieb heraus große Summen Geld anzusammeln. Sie scheinen es niemals für IRGEND ETWAS auszugeben, und das bekomme ich nicht auf die Reihe. Also, ich denke die meisten Runner verdienen Geld und kaufen sich davon etwas, aber nicht bloß um damit Spaß zu haben, sondern auch um aus sich selber zu einem besseren Runner zu machen. Ein Samurai verdient Geld für Cyberware und neue Waffen, ein magisch Begabter für bessere Foci und ein Decker damit er sich ein besseres Deck kaufen kann. Sie haben alle eine Art Ziel, eines welches logisch einsichtig ist. Der Samurai zum Beispiel möchte seine Reflexbooster von Stufe 1 auf 2 aufrüsten, dann spart er natürlich nicht für einen militärischen Zielcomputer. Der Sprung von Stufe 1 auf Stufe 2 kann sogar so extrem sein, wenn der Straßensamurai noch ein Anfänger ist, daß es einige Runs braucht, bis er das nötige Kleingeld für den neuen Booster angespart hat. Damit ein SC mehr Geld verdient muß er besser in dem werden was er tut und zwar durch andauernde Verbesserungen seiner Ausrüstung und seiner Fähigkeiten. Wenn der Runner ein Jahr lang für seine Reflexbooster II spart, wird er die ganze Zeit über kleine Runs annehmen müssen. Wenn der Runner etwas weniger drastisches machen würde, wie z.B. sich eine Cyberkamera und eine bessere Sichtvergrösserung in seinen Kopf einbauen lassen, wäre er nicht bloß besser für die leichten Runs ausgerüstet, sondern er besitzt plötzlich auch die Grundlage für eine völlig neue Art von Aufträgen, von denen sich viele wohl besser auszahlen würden, weil sie mehr erfordern als einfach jemanden umzupusten. Wenn der Runner auf diese Art mit den kleineren Verbesserungen weitermacht erreicht er wohl schnell einen Punkt von dem aus er nur ein paar wenige Runs braucht, um das erforderliche Kleingeld für die Reflexbooster II zusammen zu kriegen. Aber das war nicht mein Punkt... Was war mein Punkt? Achja ...

Meine Runner tendieren also dazu, ohne ersichtlichen Grund große Mengen Geld anzuhäufen. Und ich als Spielleiter (leicht genervt durch die Tatsache, daß ich niemals selber spielen und dabei Geld ausgeben kann) sehe mich genötigt, etwas Arglistiges zu unternehmen. Das bringt uns dann zu Blackjack's Gesetz von "Geld Haben Ohne Es Für Irgendetwas Auszugeben".
Die Bestandteile dieses Gesetzes sind sehr einfach: Je mehr Geld man ohne Grund ansammelt, desto mehr Sachen passieren, die es erforderlich machen es wieder auszugeben. Obwohl ethisch irregeleitet, liegt darin meine größte Stärke als SL. Die Runner sind mehr als dazu eingeladen auf Runs zu gehen und Ihre Nuyen haufenweise zu horten. Und ich fühle mich mehr als dazu aufgefordert ihnen eine Menge Tips zu geben wie sie es wieder loswerden können, und zwar in Form von vielen zerstörten Fahrzeugen und hohen Arztrechnungen.
Also, bitte versteht mich nicht falsch, wenn die Runner mich irgendwie darüber aufklären, daß sie ein Ziel im Hinterkopf haben, was sie gewöhnlich durch gutes Rollenspiel und die Investition von Geld machen können, tu' ich ihnen nichts. Aber wenn die Runner bloß 'nen Run durchziehen und zurückkommen um sich dann auf ihren faulen Hintern zu setzen, Soyweiser zu trinken und ihre Blätterteig-Snacks zu futtern, haben sie ein Problem. Als ich damals 1922 das letzte Mal als Spieler unterwegs war, hat mein Charakter sein Geld dauernd dafür gebraucht, seine Fähigkeiten zu verbessern und sich als Runner zu entwickeln bis ein dummer Unfall mit einem Jackrabbit ihn durch die Windschutzscheibe schickte, weil er niemals den Sicherheitsgurt benutzte. Der Punkt ist der, daß er immer ans Schattenlaufen gedacht hat. Er hat versucht der Beste zu sein und er hat eingesehen, da? man gewisse logische Schritte machen mußte um dahin zu gelangen. Wenn ein Runner sich nicht mehr verbessert, werden er und das Spiel stagnieren und langweilig werden.

Kühe aus dem Weltall
Ich habe nicht die geringste Ahnung wer damit angefangen hat aber es scheint ein universelles Mittel zu sein, welches im unsichtbaren Gerüst eines jeden Rollenspiels steckt. Es stellt eine Metapher für die ultimative Macht des SLs dar. Für gewöhnlich ist es das Herabfallen einer Kuh, oder eines ähnlich großen Objektes auf einen SC, wenn dieser zu ungehorsam ist. Bevor jetzt all die Spieler da draussen auf den Monitor spucken, laßt mich Euch erklären, was ich mit "ungehorsam" meine: Ich halte einen Runner für ungehorsam, wenn er nicht mehr der Prämisse des Spieles folgt. Er spielt einfach nicht mehr das Spiel. Und dieses Nicht-Spielen kennzeichnet sich für gewöhnlich durch schlechtes Rollenspiel. Und damit meine ich nicht, daß man seinen Südstaatenakzent vergißt, ich rede dabei zum Beispiel von dem Decker, der niemals auf einen Run gehen will, sondern den gesamten Spielabend damit verbringt, mit einer Sturmkanone auf Nonnen zu schießen. Diese Art des Rollenspiels also. Ich bin sicher, daß wir alle schon mal solche Rollenspieler getroffen haben und wenn Du ein SL bist der eine ernsthafte Kampagne zu leiten versucht oder ein Spieler der versucht seinem Archetypen gerecht zu werden, verstehst Du was ich meine, wenn ich sage, daß es unmöglich ist, so ein Spiel zu genießen. Und was mich betrifft, wenn der Spieler meint, er müßte das Spiel nicht spielen, dann brauche ich es auch nicht. Denn das ist der Zeitpunkt, zu dem die Kuh ins Spiel kommt. Sie ist die Art dem Spieler unmißverständlich zu zeigen, daß er hier nicht erwünscht ist. Solche Sachen wie der Hinterhalt einer Gang oder irgendwelche Explosionen bringen hier nichts, weil nicht unbedingt klar ist, was für Absichten der SL hat; außerdem könnten die anderen Mitspieler den SL mißverstehen. Bei einer Kuh aus dem Weltall gibt es keinerlei Mißverständnisse. Ich habe bisher bloß drei Kühe gebraucht, da meine Spieler entweder schnell kapiert und die Spielrunde entweder verlassen oder ihre Einstellung geändert haben. Kühe funktionieren aber man sollte sie sparsam einsetzen.

"Crazy Eye"
Ich gebe es zu, daß ich ab und zu, nachdem ich wieder mal eine Woche gemeistert habe, weil mich ja niemand spielen läßt (erwähnte ich das bereits?), schon mal ein wenig faul werde. Fur gewöhnlich spielt die Gruppe irgendwelche Reisen aus, wenn ein Runner irgendwo hin will oder muß. Ein solches Gespräch nimmt immer eine der beiden folgenden Formen an:
SPIELER:"Ich nehme die U-Bahn."
ICH:"Ok." Oder:
SPIELER:"Ich nehme die U-Bahn."
ICH:"Und ich nehme an, daß Du annimmst, daß sich die Granaten und die Sturmkanone bequem unter der Lederjacke verbergen lassen."
Da meine Spieler es nie schaffen, ein Fahrzeug für mehr als ein paar Tage zu behalten (siehe auch: BJ's Gesetz vom "Geld Haben Ohne Es Für Irgendetwas Auszugeben") müssen sie immer nach alternativen Fortbewegungsmittlen Ausschau halten. Abhängig davon, was sie mit auf den Weg nehmen, ist es entweder relativ einfach oder äussert sich in einer unwahrscheinlich schmerzhaften Geduldsprobe für mich und die Spieler. Und wenn ich wirklich keine Lust auf einen weiteren Schußwechsel habe, hole ich Crazy Eye zur Hilfe:

Crazy Eye
Archetyp: Busfahrer
Beschreibung: Crazy Eye scheint eine schwere Zeit gehabt zu haben, als er versuchte mit dem Erwachen fertig zu werden, was dazu führte, das er massenhaft illegale Substanzen zu sich nahm.
Er hat langes, ungelkämmtes weißes Haar mit einer kahlen Stelle in der Mitte und kann auf mitte fünfzig datiert werden.
Er kleidet sich in verschlissene Armee-Klamotten, hat Pupillen so groß wie Flöhe und spricht so schnell daß er ohne Probleme die erste Hälfte von "Krieg und Frieden" in weniger als einer Minute vorlesen könnte.

Information: Crazy Eye war ein Busfahrer im ÖPNV Seattles, bis er gefeuert wurde, weil er im Dienst Tequila trank. Auf diese Art und Weise um seinen einzigen Lebenszweck gebracht, besorgte er sich einen eigenen Bus und fährt seitdem wieder seine alte Strecke. Für ein Entgelt ist er auch gerne dazu bereit, Fahrgäste an jeden Ort zu bringen, der zufälligerweise auf dem Festland liegt.

Okay, das also ist Crazy Eye. Er erscheint immer dann auf der Bildfläche, wenn ich mal wieder einen schlechten Tag habe und bietet den Runnern an Sie mitzunehmen; natürlich nicht umsonst. Ich lasse ihn wie irre über Bürgersteige, durch Bauzäune, Straßensperren usw fahren. Außerdem liefert er immer eine witzige Unterstützung wenn die Dinge mal wieder etwas bedächtiger laufen oder wir einfach zuviel getrunken haben.

Freunde der NSC
Gelegentlich muß man die SC daran erinnern, das NSCe auch bloß Menschen sind. Obwohl ich davon Abstand nehme, den Leuten das Töten der NSC vollständig zu verbieten, gebe ich ihnen doch viele Hinweise darauf, daß Sie um so mehr Leute gegen sich aufbringen, je mehr Leute sie umbringen. Eine kleine Szene zur Verdeutlichung:

Die Runner haben es gerade geschafft einen Wissenschaftler aus einem beliebigen Megakonzern zu extrahieren und heben gerade mit einem gestohlenen Helikopter vom Dach ab. Wie sie gerade abheben, betritt eine Abteilung von fünfzehn Sicherheitskräften mit einsatzbereiten Waffen das Dach, schießen aber nicht, da sie den Wissenschaftler nicht gefährden sollen. Der Runner, welcher den Heli fliegt, entscheidet sich nach dem plötzlichen Auftauchen der Truppen dazu, eine Salve APR's mit folgendem Ergebnis auf das Dach abzufeuern: Fünfzehn Tote, keine Überlebenden.

Nun, laßt uns die Szene analysieren. Ich sehe ein, daß die Runner sich nicht sicher sein konnten, ob die Truppen nicht vielleicht doch das Feuer eröffnen, so daß der Einsatz der Raketen wenigstens teilweise gerechtfertigt war, denn hätten Sie das Feuer eröffnet, wäre der Helikopter wahrscheinlich zerstört worden. Der Runner eliminierte den Feind und somit die Bedrohung... Wirklich? Dazu ein paar Berechnungen: Fünfzehn Wachen. Ich nehme einfach mal an, daß fünf von ihnen keine Freunde oder Familie hatten. Bleiben noch zehn. Ich gebe der Hälfte von Ihnen einen Ehegatten, ein Kind und zwei Freunde. Die restlichen fünf bekommen ebenfalls zwei Freunde. Also hinterlässt der Runner dreißig Menschen, die sehr schlecht auf das Team zu sprechen sind. Es ist wahrscheinlich, das wenigstens ein paar von ihnen es den Runnern heimzahlen wollen. Nicht zu vergessen wie sehr der Konzern angeschissen ist. Obwohl der Konzern wohl noch das kleinere Problem der Runner sein wird. Wenn ein Konzern einmal Rache sucht, nutzt er für gewöhnlich Methoden, mit denen die Runner schon vertraut sind und auf die sie sich vorbereiten können. Aber normale Menschen gehen nicht nach so einem Plan vor. Manche heuern vielleicht ein paar andere Runner an, andere stürzen sich mit einem Messer auf sie und wieder andere sprengen vielleicht die Autos der Runner in die Luft usw. Durch diese fatale Aktion des Runners hat er eine Lawine an Folge-Bedrohungen ausgelöst. Wenn die Runner öfter so handeln, können sie sicher sein, bald die gesamte Welt am Arsch zu haben.

Also, was hätten die Runner denn tun können? Ich weiß es nicht. Vielleicht bloß eine Rakete abschiessen und ein Wache opfern. Oder einfach bloß mit den Abschußrohren auf sie zielen, dann hätten die meisten der Wachen wohl erstmal eine Deckung gesucht. Es geht einfach darum, daß die Runner einfach einsehen müssen, daß alles was sie tun gewisse Konsequenzen nach sich zieht. Manche mögen amüsant sein... andere wiederum sind absolut tödlich.

Text: Branson Hagerty
Übersetzung: Mirko Cegledi (www.lederkram.de)

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geschrieben am: Tue, 24 Mar 2009
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