Helden.de » Reviews » Film » Tim und Struppi - Tim und das Geheimnis um das Goldene Vlies
„Die erste Realverfilmung basieren auf den weltberühmten Comics von HERGÉ, in der restaurierten Fassung in Full HD!“, so wirbt Sunfilm für den 96-Minuten-Film, der in deutscher und französischer Sprache vorliegt, jeweils in Dolby Digital 2.0.
Fangen wir mal bei den Extras an: hier gibt es einen deutschen und einen französischen Trailer, das war es auch schon. Spartanischer geht es kaum, so dass man sich direkt dem Film zuwenden kann, was ich denn auch getan habe. Doch machen wir es kurz, es gibt Licht und Schatten. Licht gibt es da, wenn man sich die Figuren ansieht (ansieht, nicht ihnen zusieht, dazu komme ich später): ob es die Hauptfiguren Tim, Kapitän Haddock, Professor Bienlein, Schulz und Schultz sind oder der komplette Rest der Besatzung des Films, alle sind mit viel Liebe zum Detail den Comicvorlagen nachempfunden. Ebenfalls liebevoll ausgewählt und mit viel Schwung im Stil der 60er Jahre inszeniert sind die Kulissen, in denen der Film spielt. Ob es Athen ist, Istanbul, die griechische Küste oder das Schiff, an dem ein Gutteil der Handlung spielt, alles ist dem Comic entsprechend und doch realitätsnah dargestellt. Den Machern des Films ist hier die Gratwanderung zwischen Comic und Realfilm sehr gut gelungen, die Atmosphäre der Vorlage wird gut eingefangen. Das war es allerdings auch. Denn was im Comic funktioniert, der Übergang zwischen 2 Szenen beispielsweise, wird im Film ebenfalls 1:1 umgesetzt, was dazu führt, dass die Story mehrfach stark springt oder abrupt unterbrochen wird. Im Sinne einer flüssigen Erzählung wäre es hier an der einen oder anderen Stelle besser gewesen, wenn sich der Film von seinem Vorbild gelöst hätte. Ich denke hier insbesondere an die Stelle, als die Schul(t)zens mitten in einer Verfolgungsjagd per Auto einen Esel von der Straße zu schieben versuchen. Die im Comic flott eingeschobene Szene hemmt hier den Handlungsverlauf, obwohl man mit filmischen Mitteln diese Episode eleganter hätte einbinden können.
Last but not least möchte ich noch meinen Hauptkritikpunkt anbringen, die vorhandene schauspielerische Leistung, die ich über weite Strecken vergebens gesucht habe. Leider wurden vom Comic nur hölzerne Bewegungsmuster, aber keine Lebendigkeit der Hauptfiguren übernommen. Der Kapitän bewegt sich eckig durch die Landschaft, das Detektivduo ist zwar gut gezeichnet, wirkt in seiner Schusseligkeit aber nur albern und der Rest des Teams macht es auch nicht besser. Schade, hier wurde Potenzial verschenkt, was man nicht nur dem Alter des Films anlasten muss. Auch in den 60er Jahren gab es bessere Schauspieler. Die hätten vielleicht etwas an Ähnlichkeit mit den Vorlagen eingebüßt, aber den Figuren ein Leben einhauchen können. So bleibt am Ende nur eine werkgetreue Umsetzung übrig, die den Charme des Comics nicht bis ins Letzte vermitteln kann.
| Fazit: Ein vergnüglicher Spaß, der jede Menge 60er-Jahre Flair versprüht. Allerdings nur für Fans. mbf |
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geschrieben am: Mon, 21 Nov 2011
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