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Der Eisenturm (Ash, Sarah)



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Klappe:
Der Dämon geht, der Kerker droht...

Gavril hatte einst einen Drachendämon in seinem Innersten. Lange Zeit hat es gedauert, bis er ihn verbannen konnte. Nun ist der Drakhaoul fort – und mit ihm alle furchterregenden Kräfte. Obwohl Gavril nun nicht mehr von den widernatürlichen Gelüsten des Drakhaouls geplagt wird, hat er dennoch sein Volk verraten; er hat das eisige Fürstentum Azhkendir riskiert und verloren. Gavril wird zu lebenslanger Haft in einem Irrenhaus verurteilt: einem Eisenturm, aus dem noch nie jemand entkommen ist ...

Meinung:

Der zweite Band von Sarah Ashs Romanreihe "Die Tränen von Artamon" beginnt mit der Krönung des Eroberers Eugene zum Kaiser über das wiedervereinte Neu-Rossija – nach dem seine Mannen mit Mirom auch das letzte der fünf Länder des alten Reiches unter seine Kontrolle bringen konnten. Eine seiner ersten Amtshandlungen: Den früheren Maler und Drakhaon Gavril Nagarian verhaften und in den Eisenturm sperren lassen. Eine schlimmere Strafe als der Tod – angemessen für die Verbrennungen, die Gavril Eugene im Kampf als Drachendämon zufügte.
Der Dämon ist nun "für immer" verbannt – aber es soll mehr geben: Gavril plagen Träume von fernen Inseln, einem Tor aus steinernen Drachen und von Kinderopfern...Seine Malereien während der Gefangenschaft weisen den Weg und Eugene giert nach der Macht der Drakhaoule, muss er doch die Kontrolle über die Rebellen in seinem neuen Reich wahren – ebenso wie er sich gegen das Nachbarreich Franzien erwehren muss...
Neu-Rossija, Franzien...zurecht zieht man sofort parallelen zu unserer realen Welt. Ein großer Teil der Länder Rossijas ist von Menschen bewohnt, deren Namen sich dem Russischen entlehnen, ebenso wie die staatliche Organisation und anderes. Das Prinzip wird auch jemandem, der wie ich den ersten Teil der Reihe nicht kennt, sofort klar: Rebellen stürmen den Winterpalast, in dem sich der Großherzog mit seiner Frau versteckt. Als dann auch noch "Franzien" erwähnt wird, ist die Assoziation natürlich eindeutig.
Zunächst hielt ich das Ambiente sogar für vielversprechend: Ein Land unter der Herrschaft von Aristokraten, die ihre Macht mit einer musketenbewehrten Armee durchsetzen, ein Drachendämon, der Held ein einfacher Maler, ... klingt doch mal nach etwas (für mich) Neuem. Leider schleppen sich die ersten 250-300 (von ca. 800) Seiten nur so dahin. Kaiser Eugene bereitet Krönung und Hochzeit vor, seine Braut ist die Tochter des obengenannten Großherzogs, die beiden kennen sich nicht: Sie weiß nicht, ob sie einen fremden Mann lieben kann, insbesondere da das Gesicht ihres zukünftigen halbverbrannt vom Drakhaoulfeuer ist, er leidet genau unter der Angst: Dass sie ihn nicht lieben könnte – und außerdem erinnert sich immer wieder an die Schlacht gegen Gavril und hasst ihn dafür, was er, Gavril, ihm, Eugene, angetan hat. (Dieses grammatikalische Unbild musste ich einbauen: Solche Formulierungen waren auffällig oft in dem Roman zu finden...)
Das Problem ist, dass sich ein großer Teil des Buches entweder wie ein Strategiespiel oder wie ein Groschenroman für ältere Damen liest. Selten werden die Ereignisse in einer angemessenen Erzählzeit beschrieben. Die vielen politischen Sequenzen werden meist eher zusammengefasst, dann treffen wir die Charaktere privat an und es wird uns beschrieben, dass die Mandel, die die Kaiserin gerade gegessen hat einen karamelligen Geschmack hat, mit einem Hauch von Zimt. Aha. Nichts gegen solche Details für die Stimmung, aber a) sollten sich deren Anzahl im Rahmen halten und b) dennoch eine gewisse Relevanz haben. Auch die Gedanken und Gefühlswelt der Charaktere wird von der Autorin weit ausgebreitet. Beispiel: Die Kaiserin wird im Laufe der Handlung schwanger und verliert sich dann in Depressionen und Freude – kapitelweise möchte ich sagen... Ein sprachliches Detail möchte hier auch noch erwähnt werden: Relativ zu Beginn des Romans nutzt Eugene "Eau de Cologne" – woher dieses seinen Namen haben soll, bleibt für mich aber ein Rätsel...Nachforschungen erbrachten, dass solche etymologischen Fehler auch im ersten Teil keine Seltenheit sind.
Zurück zur Handlung, mit einem Blick auf den Titel und den Klappentext: Meine Erwartung war ein Roman, der sich zu ca. 50% im titelgebenden Eisenturm abspielt. Irrenhäuser bieten schließlich viel Spielraum für obskure Handlungen. Vielleicht habe ich sogar ein kleines bisschen Lovecraftschen Horror erwartet. Nach dem sehr langen Einstieg landet Gavril nach ca. 400 Seiten endlich im Eisenturm – und entkommt ca. 150-200 Seiten später wieder. Dass dort außer einer nicht unbedingt schmackhaften Hirn-OP nichts weiter passiert, brauche ich glaube ich nicht erwähnen.
Danach dreht sich wieder alles um Politik: Studentenaufstände (deren Ablauf irgendwie bekannt vorkommt...), eine franzische Flotte die auf den südlichsten Hafen Neu-Rossijas zusteuert, usw. Der "Höhepunkt" der Handlung ist im Übrigen ein Maskenball mit einer geplanten Verwechslung. Wie das kennt man schon? :-P

Fazit:
Nachdem das Setting viel versprach, zeigte sich, dass die Autorin stark zwischen überdichtetem und zu knappem Erzählstil schwankt: Die Handlung von 800 Seiten hätte sich auf 300-400 Seiten besser gemacht, die gesamte Reihe vermutlich sogar als nur ein Roman.
Wer sich auf einen etwas verklärten Erzählstil einlassen kann und ein Faible für Politik und/oder Historie hat, der könnte sich noch an "Der Eisenturm" erfreuen. Für alle anderen wird es wohl kaum mehr als ein Lückenfüller sein.
5/10 Punkte für das nette Setting, die zwar seltenen, dann aber doch recht spannenden Momente und die Story, die gar nicht mal schlecht, aber zu sehr gestreckt ist.






Sven

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Statistik:
gelesen: 296 mal
Wörter: 1138
geschrieben am: Fri, 27 Aug 2010
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