Helden.de » Reviews » Romane » Sf » Sterntagebücher (Lem, Stanislaw)
Meinung:
Das Werk von Stanislaw Lem ist mir seit langem bekannt. Schon vor fast 30 Jahren habe ich die ersten Geschichten von ihm gelesen und im Laufe der Zeit haben es etliche Bücher aus seiner Feder in mein Regal geschafft.
Besonders die Geschichten und Romane in welchen der bekannte Raumfahrer Ijon Tichy aus seinem Leben berichtet haben mir immer besonders gut gefallen, da sie voller hintergründigem Humor stecken, der auch nach 30 Jahren noch nichts von seinem Reiz verloren hat.
Nun gibt es eine Umsetzung als Hörbuch, die zumindest die 7. Und die 8. Reise umfasst und auf deren Cover beruhigend die 1 prangt, so kann man wohl auf eine Fortsetzung hoffen. Dies ist bei weitem nicht die erste Version eines Hörbuches von jenen Geschichten, aber zumindest die erste die den Weg in meinen heimischen CD Player gefunden hat. Wigald Boning ist es, der dem kauzigen Raumfahrer aus der sozialistischen Zukunft seine Stimme leiht.
Um es gleich zu sagen, mir würde niemand einfallen, den ich eher mit dieser Figur identifizieren könnte. Boning ist praktisch Tichy und absolut glaubwürdig als der Erzähler der wirklich fantastischen Geschichten.
„Das war die normalste Zeitschleife der Welt…“ Ich selber kannte beide Geschichten schon, aber den Neulingen in der von Lem geschaffenen Welt, will ich zumindest einen kleinen Hinweis geben worum es dabei geht.
Ijon Tichy ist Raumfahrer in einer Zeit, in der dies völlig normal ist und berichtet in bester Münchhausen Manier von seinen Erlebnissen in den Weiten des Alls.
In der 7. Reise kommt es zu einem bedauerlichen Defekt am Raumschiff, der aber dummerweise nicht allein zu beheben ist. Zum Glück gerät unser Held in eine Zeitschleife, die die Lösung des Problems beinhalten könnte.
Die 8. Reise führt unseren Helden vor den galaktischen Rat, wo er als Vertreter der Menschheit der Aufnahme der Menschheit in denselben beiwohnen soll. Aber alles kommt letztlich ganz anders.
Die Geschichten stammen ja aus Zeiten des tiefsten Sozialismus und im Nachhinein erscheint es erstaunlich, dass sie dort überhaupt erscheinen durften. Sie stecken so vor Satire, dass es nur so kracht. Natürlich sind auch viele der damals parodierten und kritisierten Dinge, heute noch ebenso aktuell.
Die Umsetzung setzt ganz auf den Vorleser und nur ganz wenige akustische Effekte ein. Das wirkt etwas dünn, insbesondere wenn man andere moderne Hörbücher kennt, die da deutlich opulenter in die Geräuschekiste greifen. Als ganzes wirkt es aber den Geschichten angemessen.
| Fazit: Die Geschichten sind wirklich zeitlos und von einer satirischen Güte, wie man sie selten findet. Noch nach Jahrzehnten gefallen sie und werden bei keiner neuen Wiederholung schlechter. Ob man sich das jetzt unbedingt als Hörbuch zu Gemüte führen sollte weiß ich nicht. Für einen ersten Kontakt oder für Lesefaule ist das aber mit Sicherheit eine gute Wahl. Christoph |
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gelesen: 402 mal
Wörter: 816
geschrieben am: Sat, 27 Nov 2010
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